Das Portal für historische Fotos
- mit dem Schwerpunkt Rüstungsindustrie, Zwangsarbeit, KZ-Außenkommandos, Untertageverlagerung, Kaliindustrie und regionales Zeitgeschehen -

von Frank Baranowski aus Siegen


Mein Interesse an zeitgeschichtlichen Themen - insbesondere der NS-Rüstungspolitik - wurde Ende der 1980er Jahre durch eine Schülerarbeit für die Robert-Bosch-Stiftung zum Thema „Fremde in unserer Stadt“ geweckt. Im Rahmen dieser Arbeit beschäftigte ich mich erstmals intensiv mit der Geschichte der Duderstädter Polte-Werke, ein Luftwaffen-Rüstungsbetrieb etwa 30 km südlich von Göttingen gelegen. Der Magdeburger Großkonzern hatte im Spätsommer 1939 mit dem Bau des Werkes vor den Toren der Stadt begonnen, dass im Herbst die Produktion von 2-cm-Munition aufnahm. Meine Großmutter war während des Krieges in dieser Munitionsfabrik beschäftigt. 1944 wurde sie aus der Belegschaft als weibliche KZ-Aufseherin für das im November 1944 eingerichtete Buchenwalder KZ-Außenkommando ausgewählt und sollte im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück „ausgebildet“ werden. Sie weigerte sich, mit den für sie damit verbundenen Repressalien. Der Robert-Bosch-Preis konnte mit dieser Schülerarbeit gewonnen werden. Weitere Auszeichnungen folgten.

Dies war Initialzündung für weitere Befragungen von Zeitzeugen, die zunächst noch regional geprägt waren. Doch das änderte sich schnell. 1993 erschien meine erste Monografie zur Geschichte der Duderstädter Polte-Werke. Dem waren bereits umfangreiche Recherchen in Gedenkstätten sowie den maßgeblichen Landes- und Bundesarchiven vorausgegangen. Dabei zeigten sich enge Vernetzungen mit anderen Rüstungsbetrieben und erste Strukturen der staatlich gelenkten Aufrüstung. Diese Erkenntnisse „verleiteten“ zu weiteren Forschungen, die gleichermaßen zu einer räumlichen Ausdehnung des Forschungsgebietes - bis über die Landesgrenzen nach Thüringen hinaus - führten.

 

Ein anderer Aspekt kam hinzu. Bereits wenige Tage nach dem Fall der Mauer hatte ich Gelegenheit, die Gedenkstätte Mittelbau-Dora zu besuchen. Ein prägendes und zugleich erschütterndes Erlebnis. Der Besuch war weiterer Ansporn und Antrieb, Details über das Leben und Sterben in Dora selbst und seiner vielzähligen Außenkommandos zu erfahren. Seither fanden regelmäßig weitere Recherchen im In- und Ausland statt, so auch in den Beständen des Archivs „Service des Victimes de la Guerre“ (AVSG) in Brüssel. Die juristische Ausbildung erleichterte mir den Zugang zu NS-Prozessakten und anderen Institutionen, selbst zu Firmenarchiven größerer Unternehmen.

 

Die so gewonnenen Erkenntnisse flossen kontinuierlich in Bücher, Fachbeiträge und Abhandlungen zur Rüstungsgeschichte in Südniedersachen / Nordthüringen sowie die Konzentrationslagerkomplexe Buchenwald und Mittelbau-Dora ein. 2013 konnte ich meine aktuellste Studie veröffentlichen, die im Verlag Rockstuhl unter dem Titel "Rüstungsproduktion in Deutschlands Mitte von 1923 bis 1945. Südniedersachsen mit Braunschweiger Land sowie Nordthüringen einschließlich des Südharzes – vergleichende Betrachtung des zeitlich versetzten Aufbaus zweier Rüstungszentren" erschienen ist.

 

In den letzten 25 Jahren hat sich eine Menge an Bild- und Fotomaterial angesammelt, das bislang nur bruchstückhaft veröffentlicht wurde. So warten etwa 5.000 historische Fotos von Rüstungsbetrieben, Lagern, KZ-Außenkommandos, Werksaufnahmen und regionales Zeitgeschehen darauf, veröffentlicht zu werden. Ich habe dieses Material archiviert und so für spätere Generationen gesichert. Ziel dieser Foto- und Wissensdatenbank soll es sein, meine Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.



Frank Baranowski im Januar 2014.



Französische Kriegsgefangene im Lager Lohberg, Göttingen